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Jeder Mensch ein Künstler

Jeder Mensch (ist) ein Künstler

Beuys Veständnis des kreativen Potentials eines jeden Menschen

Jeder Mensch „ist“ ein Künstler! Ist – Ein kleines Wörtchen, daß in der Folge zu allerlei Missverständnissen geführt hat und immer wieder führt. Gemeint ist nicht, daß jeder Mensch per se ein Künstler ist, einfach weil er / sie Mensch ist und somit alles Geschaffene dem Kunst-Anspruch dadurch gerecht wird. Vielmehr ist in der späteren Reduktion dieser Aussage (jeder Mensch ein Künstler) gemeint, daß im Mensch-Sein das Potential für das Künstlerische, für die Kreativität begründet liegt. Begründet ja, aber nicht in allen Fällen zu Tage tritt, ganz im Gegenteil. Wie aus dem unten stehenden Textausschnitt zu ersehen ist, war Beuys ein ebenso großer Redner, der es verstand mit Worten zu modulieren wie ein großer Modulator in der Kunst – ein Transformator.

Porträt & Interviews (55 Min.) Teil 6/6

Hier ein Auszug aus der wunderbaren Zusammenfassung von Michael Kröger / Stiftung Museum Schloss Moyland / Osnabrück:

Schweigen und Sprechen

„Dass den Kunst-Kommunikator Beuys dabei auch das Schweigen von Marcel Duchamp, konkreter gesagt die mangelnde Bezogenheit menschlicher Aktivitäten im Bereich ästhetischer Fragestellungen, nachhaltig provozierte[16], zeigt, wie sehr sich Beuys nicht nur vom Einfluß des Namens DUCHAMP und seinen Antikunst-Werken herausgefordert fühlte, sondern zugleich, wie er der Paradoxie eines „beredten Schweigens“, das Duchamps so erfolgreich kultivierte, seinen eigenen Kunst-Diskurs entgegensetzte, der gerade gegenteilig ein im Medium der Kunst materialisiertes „Reden“ (über die Kunst, den Menschen, die Gesellschaft) in die Welt ausstrahlte. Daß Schweigen ein notwendig selbstwidersprüchliches Element der Kommunikation und damit auch der Kunst17 werden mußte, zeigte sich an der Art und Weise, wie Beuys seinem großen Widersacher Duchamp begegnete: Beuys erzwang auf seine Weise die seinerzeit spürbare schweigende Abwesenheit von Duchamp zum „Sprechen“ zu bringen – indem er das Schweigen Duchamps 1964 im Fernsehen als Problem problematischer „Kommunikation“ mit der Kunst thematisierte.

Beuys fand dieses Schweigen bekanntlich überbewertet – was auch die Frage provoziert, wie Künstler und Betrachter dieses eigentlich angemessen bewerten können. Das Schweigen Duchamps wurde übrigens einige Jahre später erneut Thema einer Reflexion von Nichtkommunikation: Acht hintereinander positionierte Plexiglasscheiben, die Wortfetzen transparent un-sichtbar machen, tragen den Titel „Not Wanting To Say Anything About Marcel“. Das Werk aus dem Jahr 1969 stammt von John Cage und Calvin Sumsion.“

Schweigen & Reden (aus: http://www.kunstlinks.de/material/kroeger/beuys/)

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